Ist eine Person das, was sie gegen aussen zeigt, wie sie sich gegenüber der Öffentlichkeit inszeniert? Wie kann das Wesen einer Person eingefangen werden und was ist es, das Individualität ausmacht?
In unserer Welt, in der Individualität und Selbstinszenierung über codierte Zeichensysteme wie Kleidung, Schmuck, Frisur, Make up oder andere Stil beeinflussende Mittel, oder dessen Weglassen ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Inszenierung sind, gingen wir in dieser Arbeit der Frage nach, wie wir Personen in ihrem natürlichen Wesen zeigen können. Was bleibt wenn Personen ungeschminkt vor die Kamera treten und alles wegfällt? Was macht die Person spürbar?
Wie gelingt es uns diese Natürlichkeit zu finden, obwohl wir gleichzeitig in einem Studio arbeiten und diese Situationen inszenieren müssen?
Die komplette Serie bestehend aus 56 Portraits wurde während drei Tagen aufgenommen. Dafür richteten wir in den Räumlichkeiten unseres Institutes ein improvisiertes Studio ein. Zur Teilnahme baten wir Mitstudenten, Dozenten und Bekannte.
Durch unsere Zusammenarbeit und dem gegenseitigen Erproben der entsprechenden Situation im Studio stellten wir schnell fest, dass man sich sehr schwierig damit tut, Inszenierungen vor der Kamera komplett wegzulassen.
Um unsere Teilnehmer zu entspannen, liessen wir sie die Augen schliessen und forderten sie dazu auf, an etwas Schönes zu denken. In dieser Haltung fanden wir den gesuchten Ausdruck. Es ist ein Ausdruck bei dem die Präsenz der Kamera in Vergessenheit gerät und man den Eindruck bekommt, dass der Mensch bei sich ist und seine „Zuschauer“ für einen Augenblick vergisst.
Gaspard Weissheimer & Brigitte Fässler
http://www.purprojekte.ch/
Pur in der Carambolage from Gianni Horst on Vimeo.